Kokosöl vs. Saatenöle
Fette gehören seit jeher zur menschlichen Ernährung. In früheren Generationen stammten sie meist aus Butter, Schmalz, tierischen Fetten oder naturbelassenen Pflanzenölen. Erst im 20. Jahrhundert hielten industriell raffinierte Saatenöle in großem Umfang Einzug in die Alltagsküche. Heute werden Öle wie Sonnenblumen-, Soja-, Mais- oder Rapsöl häufig verwendet, oft ohne ihre Herstellung oder Eigenschaften näher zu betrachten.
Dieser Artikel erläutert, warum raffinierte Saatenöle zunehmend kritisch gesehen werden und weshalb Kokosöl eine gute Alternative darstellt.
1. Was sind raffinierte Saatenöle?
Raffinierte Saatenöle werden aus ölhaltigen Samen gewonnen, etwa aus Sonnenblumen, Sojabohnen oder Maiskeimen. Da diese Samen nur wenig Öl enthalten, ist ein aufwendiger industrieller Prozess notwendig.
Typische Schritte der Raffination sind:
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mechanisches Pressen
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Extraktion mit Lösungsmitteln (meist Hexan)
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Erhitzen auf hohe Temperaturen
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Entschleimen, Entsäuern, Bleichen und Desodorieren
Das Ergebnis ist ein geruchs- und geschmacksneutrales Öl mit langer Haltbarkeit, jedoch auch mit deutlich veränderter Zusammensetzung.
2. Gründe für Zurückhaltung bei raffinierten Saatenölen
2.1 Hoher Gehalt an Omega-6-Fettsäuren
Viele raffinierte Saatenöle enthalten große Mengen an Omega-6-Fettsäuren (Linolsäure). Diese Fettsäuren sind grundsätzlich essenziell. Problematisch kann jedoch ein dauerhaft starkes Ungleichgewicht zwischen Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren sein.
Ein solches Ungleichgewicht wird in der wissenschaftlichen Literatur mit entzündungsfördernden Prozessen in Verbindung gebracht. Ein direkter Krankheitsnachweis ist komplex und nicht eindeutig, dennoch empfehlen Fachgesellschaften ein ausgewogenes Verhältnis.
Quelle: Simopoulos, Biomedicine & Pharmacotherapy, 2002
2.2 Empfindlichkeit gegenüber Hitze und Oxidation
Mehrfach ungesättigte Fettsäuren sind hitze- und lichtempfindlich. Beim starken Erhitzen – etwa beim Braten oder Backen – können oxidative Abbauprodukte entstehen. Einige dieser Stoffe stehen im Verdacht, gesundheitlich ungünstig zu wirken. Die genaue Wirkung beim Menschen ist Gegenstand laufender Forschung.
Quelle: Choe & Min, Journal of Food Science, 2006
2.3 Starke industrielle Verarbeitung
Raffinierte Saatenöle sind hochverarbeitete Lebensmittel. Während sie technisch sicher und zugelassen sind, enthalten sie kaum noch natürliche Begleitstoffe wie sekundäre Pflanzenstoffe. Für Menschen, die eine möglichst naturbelassene Ernährung bevorzugen, ist dies ein relevanter Aspekt.
3. Kokosöl – Eigenschaften und Einordnung
3.1 Herkunft und Verarbeitung
Kokosöl wird aus dem Fruchtfleisch der Kokosnuss gewonnen. Besonders kaltgepresstes oder schonend verarbeitetes Kokosöl kommt mit deutlich weniger Verarbeitungsschritten aus als raffinierte Saatenöle.
Es ist bei Zimmertemperatur fest, lange haltbar und relativ unempfindlich gegenüber Hitze.
3.2 Fettsäurezusammensetzung
Kokosöl besteht überwiegend aus gesättigten Fettsäuren, vor allem aus mittelkettigen Fettsäuren (MCTs). Diese werden im Stoffwechsel anders verarbeitet als langkettige Fettsäuren und schneller zur Energiegewinnung herangezogen.
3.3 Hitzestabilität und Küchentauglichkeit
Ein klarer Vorteil von Kokosöl ist seine hohe Hitzestabilität. Es oxidiert beim Braten weniger als viele mehrfach ungesättigte Öle und eignet sich daher gut für:
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Braten und Anbraten
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Backen
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einfache warme Gerichte
Geschmacklich ist mildes oder desodoriertes Kokosöl neutral und verändert Speisen kaum.
4. Maßvolle Verwendung in der täglichen Küche
Kokosöl sollte – wie jedes Fett – sparsam eingesetzt werden. In kleinen Mengen kann es in bestimmten Situationen sinnvoll sein, insbesondere dort, wo hohe Temperaturen verwendet werden.
Eine ausgewogene Küche kann beispielsweise enthalten:
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hitzestabile Fette wie Kokosöl zum Braten
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kalt verwendete, schonend gepresste Öle wie z.B. natives Olivienöl in kleinen Mengen
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insgesamt einen bewussten, maßvollen Fettverbrauch
Diese Herangehensweise entspricht einer verantwortungsvollen Haushaltsführung und vermeidet Extreme.
5. Zusammenfassung
Raffinierte Saatenöle sind technisch hergestellte Produkte mit spezifischen Eigenschaften, die für die Gesundheit nicht ideal sind. Ihre Fettsäurezusammensetzung und Oxidationsanfälligkeit geben Anlass zur Zurückhaltung, besonders bei regelmäßigem Erhitzen.
Kokosöl ist eine naturbelassene Alternative und kann aufgrund seiner Hitzestabilität und einfachen Verarbeitung eine praktikable Alternative für bestimmte Anwendungen sein. Wichtig für die Gesundheit ein bewusster, maßvoller Umgang mit Ölen.
Kurzer Vergleich: Raffiniertes Saatenöl vs. Kokosöl
| Merkmal | Raffinierte Saatenöle (z. B. Sonnenblumen-, Sojaöl) | Kokosöl |
| Verarbeitung | Stark industriell verarbeitet (Hitze, Lösungsmittel, Raffination) | Gering verarbeitet, besonders bei kaltgepresstem Kokosöl |
| Fettsäuretyp | Überwiegend mehrfach ungesättigte Fettsäuren (Omega-6) | Überwiegend gesättigte Fettsäuren |
| Entzündungswirkung | Können entzündungsfördernd wirken bei hohem und regelmäßigem Konsum | Keine bekannte entzündungsfördernde Wirkung |
| Hitzestabilität | Gering – empfindlich bei Braten und hoher Hitze | Hoch – gut geeignet zum Braten und Backen |
| Oxidationsanfälligkeit | Hoch bei Erhitzung | Gering |
| Eignung für warme Küche | Eingeschränkt geeignet | Gut geeignet |
| Traditionelle Nutzung | Vor allem seit dem 20. Jahrhundert verbreitet | Seit Jahrhunderten in tropischen Regionen genutzt |
| Empfohlene Verwendung | Wenn überhaupt, sparsam und nicht stark erhitzt | Maßvoll, besonders für warme Speisen |
